Hanf - / Flachs

"Spinnen am Morgen, bringt Kummer und Sorgen -

Spinnen am Abend erquickend und labend!"

 

Malmsheim bot für den Hanfanbau günstige geologische und klimatische Be-dingungen und war weithin bekannt für die gute Qualität dieses früher wichtigen

Rohstoffes. Hanf und Flachs sind Pflanzenfasern, Natur-, Stengel-, Bast-, und

Weichfasern.

 

Beide Sorten werden im Frühjahr ausgesät und im Sommer geerntet.

Die Verarbeitungsweise von Flachs und Hanf ist nahezu identisch.

 

Flachs, Lein (Linum usitatissimum) wächst 30-60 cm hoch und blüht zartblau.

Flachs lautet der Name der Pflanze, aus der später nach vielen Arbeitsgängen

das feine Leinengewebe wird. Leinenstoffe sind äußerst haltbar, weil sie weitgehend

mottenresistent sind. Bekleidung aus Leinen kühlt im Sommer angenehm,

knittert aber sehr.

 

Leinsamen ist ein altes Heilmittel, das bei Verdauungsstörungen hilft. Leinöl kann

sowohl verzehrt als auch in der Farbenherstellung eingesetzt werden.

 

Hanf kann bis zu 3 m hoch werden und hat unscheinbare Blüten. Hanf ist eine

2-häusige Pflanze. Die männlichen Pflanzen (Fimmel) sind länger und haben

feinere Fasern.

 

Die weiblichen sind kürzer, derber und heißen Samenträger (Sämer oder Reisten).

Männliche und weibliche Pflanzen mussten auf Grund des Unterschiedlichen

Reifungsgrades getrennt geerntet werden.

 

Hanf wurde zu Seilerwaren verarbeitet oder versponnen und verwoben. Er

ergab ein robustes, grobes (kratziges) Gewebe, aus dem Säcke und derbe

Arbeitskleidung hergestellt wurden.

 

Hanfsamen ist heute noch ein beliebtes Vogelfutter ("Der lebt, wie die Vögel im

Hanfsamen!") und Hanföl diente zur Seifenherstellung.

 

Früher war große Vorsicht bei der Verarbeitung von Hanf und Flachs geboten.

Er durfte nie am Ofen getrocknet werden. Brechhütte und Brechlöcher lagen

wegen der drohenden Brandgefahr immer außerhalb des Etters.

 

Die Frauen waren in die mühsame und zeitaufwändige Verarbeitung der Pflanzen

stark eingebunden.

 

Sie halfen ausreißen, riffeln (Samen auskämmen), spreiten (Sonne, Regen,

Tau machte die Fasem mürb), brechen (der Holzteil der Fasern zerbrach überm

Feuer in kleine Splitter, sogen. "Agele"), schwingen (verbliebene "Agele" wurden

durch Anschlagen an die Breche entfernt), hecheln (verbliebene Holzbestandleile

wurden an groben Kämmen rausgekämmt und die Fasern waren gleich geordnet).

 

Das gehechelte "Werg" konnte nun in Docken abgeteilt, um die Kunkel gelegt

und versponnen werden. Die Spulen kamen dann auf den "Haspel".

Nach dem Spinnen und Haspeln konnte das Garn verwoben werden.

 

Das oben genannte Sprichwort sagt aus, dass Frauen oder Mädchen, die erst am

Abend - quasi zum Zeitvertreib mit "spinnen" begannen, das bessere Los gezogen

haben. Sie hatten es nicht nötig, den ganzen Tag-Spule um Spule mit Garn zu

füllen.

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